Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.v.
 

Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.V. besucht den jüdischen Friedhof in Worms

von Michael Molitor (Text) und Burkhard Vetter (Fotos)


Bürstadt/Worms. Am 18. September 2026 unternahm der Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.V. eine Exkursion zum jüdischen Friedhof „Heiliger Sand“ in Worms, der als einer der ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Europas gilt.


Die Führung übernahm Frau Stella Schindler, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit großer Sachkenntnis und lebendiger Erzählweise durch die historische Begräbnisstätte führte. Während des Rundgangs erläuterte sie die bewegte Geschichte der jüdischen Gemeinde in Worms und stand den zahlreichen Fragen der Anwesenden ausführlich Rede und Antwort.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Mitgereisten von den ältesten Grabsteinen der Anlage, die bis in das 11. Jahrhundert zurückreichen. Anhand ausgewählter Grabmale vermittelte Frau Schindler interessante Einblicke in die jüdische Bestattungskultur sowie in die Geschichte der Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.


Ein weiterer Schwerpunkt der Führung lag auf den besonderen Traditionen und Gebräuchen jüdischer Friedhöfe. Die Teilnehmer erfuhren Wissenswertes über die Symbolik der Grabsteine, die Bedeutung von kleinen Steinen als Zeichen des Gedenkens sowie die Regeln des respektvollen Verhaltens auf einer jüdischen Begräbnisstätte.
Besonderes Interesse weckten bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die auf einigen Grabsteinen dargestellten Hände, bei denen Ringfinger und kleiner Finger von Mittel-, Zeige- und Daumenfinger abgespreizt sind. Frau Schindler erläuterte, dass es sich hierbei um das Zeichen der Kohanim, der Nachfahren der jüdischen Priesterkaste, handelt. Die Handhaltung symbolisiert den priesterlichen Segen und kennzeichnet häufig die Grabstätten von Angehörigen dieser besonderen Abstammungslinie. Viele Anwesende erkannten in diesem Symbol zudem die Vorlage für den später weltbekannt gewordenen Vulkaniergruß aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise, dessen Darsteller Leonard Nimoy die Geste aus der jüdischen Tradition übernommen hatte.


Die Exkursion bot den Mitgliedern des Vereins nicht nur die Gelegenheit, ein bedeutendes kulturhistorisches Denkmal kennenzulernen, sondern auch ihr Verständnis für die jahrhundertealte jüdische Geschichte der Region zu vertiefen. Der Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.V. zeigte sich mit der Veranstaltung sehr zufrieden und dankte Frau Schindler herzlich für die informative und eindrucksvolle Führung.